Offenbachpost - Mittwoch, 7. Mai 2014

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Allgemeine Zeitung - 3. Februar 2012

tl_files/a_westcoast/a_artikelbilder/Fechtseminar_BdKrznch2012.jpegKämpfen wie einst die Ritter

 

03.02.2012 - BAD KREUZNACH

Von Marieke Jörg

SEMINAR FECHTABTEILUNG DES KHC LEHRT UMGANG MIT DEM  LANGSCHWERT

Jedes Jahr finden in der Region um Bad Kreuznach zahlreiche Mittelalterspektakel statt. In Ebernburg oder Pfaffen-Schwabenheim etwa treffen sich dann waschechte Mittelalterenthusiasten und Menschen, die einfach die besondere Atmosphäre der Märkte und Turniere genießen möchten. Es finden sich aber auch echte Profis wie Volker Kunkel ein. Der studierte Historiker und Gymnasiallehrer ist seit einigen Jahrzehnten Fechtlehrer und orientiert sich dabei an der historischen deutschen Fechtschule des 15./16. Jahrhunderts und den Techniken des Meisters Lichtenau.

„Während des Studiums habe ich die unglaublichen spätmittelalterlichen und Renaissancewaffen kennengelernt und mir geschworen, dass ich einmal lernen werde, mit ihnen umzugehen“, schwärmte er. Nach seinem Studienabschluss ließ er den Worten Taten folgen und lebt heute durch den Verkauf mittelalterlicher Waffen und dem Seminarangebot in seinem West-Coast-Institut von seiner Passion. Seine Lehren vermittelt er dabei mit einer eigens entwickelten Unterrichtsmethode, der „Ronneburger Fechtschule“.

Kooperation mit der Fechtabteilung des KHC

Im Februar des vergangenen Jahres hielt Kunkel ein Schwertkampfseminar auf der Ebernburg ab. Dort wurde Jörg Mielke, Lehrer der Fechtabteilung des KHC, auf ihn aufmerksam. Von Kunkels Wissen und der Technik des Langschwertkampfs beeindruckt, stellte er den Kontakt her. „Wir fanden uns gleich persönlich sympathisch, aber vor allem fachlich kompetent. Jörg Mielke ist ein vorzüglicher Fechter“, betonte auch Kunkel. Diese Sympathie gipfelte nun in einem gemeinsamen Schwertkampfseminar in Bad Kreuznach, das die Teilnehmer nutzen konnten, um ihr Geschick am Langschwert zu erproben. Auch Fechtprofi Mielke betrat mit den Übungen am Langschwert Neuland auf dem Gebiet der Kampfkunst.

Dass es dabei nicht nur um die reine Technik geht, sondern auch um die innere Einstellung, unterstrich Seminarteilnehmer Kaleb Utecht. Eine Sehnerventzündung hatte ihn zum Rückzug aus dem Kampfsport gezwungen, an den er sich nun wieder heranwagen möchte. Das eingeschränkte Sichtfeld will er durch ein Plus an Körperwahrnehmung ausgleichen. Zudem ist er seit vielen Jahren mit der Ausbildung von Führungskräften beschäftigt und vergleicht das bewaffnete Konfliktverhalten gerne mit dem zwischenmenschlichen. „Wer angreifen will, muss sich eine Blöße geben“, betont er. „Gewisse Erfolgsregeln gelten dabei sowohl für den Kampfsport als auch für das Privat- und Berufsleben.“ Wichtig sei vor allem, die eigenen Schwächen zu kennen: „Gute Kämpfer ignorieren sie. Sehr gute setzen sie ein“, fügte Mielke hinzu. Nicht umsonst bezeichne man ein Duell im Fecht- und Schwertkampf als „Dialog“ oder „Diskussion“.

Aufrechterhaltung von Traditionen

Viele der anderen Teilnehmer, wie Niklas Bohley oder Stefan Köhl, hatte das besondere Interesse für das Mittelalter ins Seminar geführt. Köhl, Besitzer des Restaurants und mittelalterlichen Kulturzentrums „Amtshof“ in Ebernburg, legt dabei besonderen Wert auf die Aufrechterhaltung von Traditionen. „Die Region mit ihren Burgen und Festen hat ein riesiges Potential für eine Mittelalterszene. Wir müssen es nur nutzen.“ Dabei gehe es nicht nur um den Schwertkampf, auch mittelalterliches Handwerk und Kochkunst seien wichtige Bestandteile einer solchen Gemeinschaft.

Auch Kunkel sieht die Bewahrung der Tradition als existentielle Aufgabe seiner Arbeit: „Ich gehe inzwischen auf die 70 zu und möchte nicht, dass mein Wissen verloren geht“, bekräftigte er. Auf der Suche nach talentierten Schülern wird er auch in diesem Jahr wieder ein Seminar auf der Ebernburg abhalten. Am 3. und 4. März findet dort das von ihm geleitete „Meisterhau-Seminar“ statt. Auch die Schwertkampfseminare in Kooperation mit dem KHC sollen „zur Institution“ werden, so Mielke. Alle Beteiligten hoffen dabei, das Interesse in der Region wecken zu können und so einen aktiven Beitrag zum Wunschziel Mittelalterszene leisten zu können.

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